Mit einem neuen Konzept nach Senegal
Seit letztem Jahr hat Charlie’s Travels ein neues Konzept: eine Pionierreise. Eine kleine Reisegruppe, Selbstkostenpreis, ein noch unerschlossenes Reiseziel, und gemeinsam helft ihr dabei, die Route zu entwickeln. Ich klickte, las und buchte meine Reise nach Senegal mit Menschen, die ich noch nie getroffen hatte.
Das ist ganz anders als ich es normalerweise mache. Normalerweise bin ich die Art von Reisender, die Wochen im Voraus Routen ausarbeitet, Blogs liest und alles auf die Minute genau plant. Aber dieses Mal habe ich losgelassen. YOLO, carpe diem, wie auch immer man es nennen mag.
Ankunft: Die Gruppe findet sich (gerade noch rechtzeitig)
Am Flughafen fand ich die Gruppe ziemlich schnell. Ein grauer Hoodie und blonde Haare: Das war die Abmachung. Einer nach dem anderen tauchten die Reisebegleiter auf, bis auf eine, die ihren Reisepass zu Hause vergessen hatte (ihr Vater musste noch schnell zum Flughafen rasen), und zwei andere, die sich kurz vor dem Boarding ordentlich im falschen Terminal positioniert hatten. Sie schafften es alle gerade noch. Das Abenteuer hatte offiziell begonnen, noch bevor das Flugzeug abgehoben war.
Bei der Ankunft am Flughafen Dakar warteten die beiden Reiseberater von Charlie's Travels auf uns. Rote Sandpisten, eine untergehende Sonne und die Küste als erstes Ziel. Bier, Wellen, neue Gesichter: ein guter Start.
Saint-Louis: Kolonialer Glanz, fließende Zeit und ein TikTok-Star vor der Tür
Nach einem langen Tag auf der Straße – Senegal zieht in fünfzig Gelbtönen und Staub vorbei – kam die Gruppe in
Saint-Louis an. UNESCO-Weltkulturerbe, ein Kolonialhotel mitten auf der Insel, sanftes Licht über dem Wasser. Das Gefühl „Deshalb reist man“ schlich sich schnell ein, bis hin zum Strand.
Het plan was simpel: zonsondergang aan zee, maar de werkelijkheid was net even anders. Afval, rondzwervende dieren, kapotte huizen. Een strand dat aanvoelde als de achterkant van de wereld. Bewoners leken terughoudend en het voelde intrusief aan om door wijken te lopen waar mensen wonen. Niet alles aan reizen is comfortabel, en misschien hoeft dat ook niet zo te zijn.
Der Plan war einfach: Sonnenuntergang am Meer, aber die Realität sah etwas anders aus. Müll, herumstreunende Tiere, verfallene Häuser. Ein Strand, der sich anfühlte wie das Ende der Welt. Die Bewohner wirkten zurückhaltend, und es fühlte sich aufdringlich an, durch Wohnviertel zu laufen. Nicht alles am Reisen ist bequem, und vielleicht muss es das auch gar nicht sein.
Am Abend stellte die Gruppe fest, dass die meisten Lokale wegen des Ramadan geschlossen waren. Glücklicherweise fanden wir doch eine Bar. Draußen sitzen an einem angenehm warmen Sommerabend, und langsam wurden diese zehn Fremden weniger fremd. Gespräche über Politik, Impfstoffe, Lebensentscheidungen, und dann: der YOLO-Shot. Nachdem wir es viermal ausdrücklich erklärt hatten („Ja, einfach Wodka.“ „Nein, nichts dazu.“ „Ja, wirklich.“), bekamen wir Wodka mit Salz und Limette. Na ja, fast.
Höhepunkt des Abends: der Türsteher, der alle fünf Minuten seine Bizeps anspannte. Wie sich herausstellte, hat er 30.000 Follower auf TikTok, wo er sich selbst mit Glitzereffekten filmt, während er herumläuft.
Am nächsten Morgen stand ein Besuch im Fotomuseum (auf charmante Weise chaotisch) auf dem Programm, und am Nachmittag eine Stadtrundfahrt mit einem Führer, der 45 Minuten zu spät kam und dies stolz verkündete: „Zeit ist hier dehnbar.“ Mitten in der Führung setzte er sich einfach hin.
Saint-Louis war einst die Hauptstadt Senegals und bis 1902 sogar ganz Westafrikas. Die Pracht ist noch vorhanden, aber alles wirkt etwas vernachlässigt. Sogar die katholische Kirche auf der Insel hat einen Turm um sich herum gebaut, weil islamische Führer die Glocken nicht hören wollten. Die Geschichte hier ist nicht subtil, sondern vielschichtig, sichtbar und ein wenig kompliziert.
Saloum-Delta: Austern, Mangroven und Chaos an der Grenze
Früh aufstehen, zurück auf die Straße Richtung Süden. Zehn Stunden Fahrt, Zeit genug, um das Aus-dem-Fenster-Schauen zur Kunst zu erheben. Unterwegs stößt Matt zu uns, ein Australier, der seit 2000 in Afrika lebt und uns durch diesen weniger bekannten Teil der Route begleitet. Mittagessen in seiner Pension, gekocht von der Frau seines Geschäftspartners: köstliches malinesisches Essen.
Schließlich tauschten wir den Bus gegen ein kleines Boot ein.
Der Wind weht durch die Haare, Mangroven, soweit das Auge reicht, Hunderte von Vögeln. Das Saloum-Delta erstreckt sich über rund 180.000 Hektar und besteht aus mehr als 200 Inseln. Kein schlechter Ort, um „festzusitzen“.
Die Überraschung des Tages war, dass es Mangrovenaustern gibt. Frisch gepflückt und genüsslich geschlürft, während das Boot in den Sonnenuntergang trieb.
Die Nacht verbrachten wir auf einer der Inseln, in einer einfachen, aber gemütlichen Lodge mit Blick aufs Wasser. Sonnenuntergang mit einer Gazelle – der senegalesischen Biermarke – und diesem Gefühl, mitten im Nirgendwo zu sein. Die geplante Bootstour fiel aus, also überlegte ich mir zusammen mit meinem Zimmergenossen eine Alternative: Wecker früh stellen und Kajakfahren bei Sonnenaufgang. Ruhiges Wasser, sanftes Licht und angenehme Temperaturen. Hier hätte ich durchaus länger bleiben können.
Aber am nächsten Morgen ging es schon weiter, nach Gambia.

Wir erreichten schnell die Grenze, und die Überfahrt selbst verlief überraschend reibungslos. Die Fähre hingegen hatten wir gerade verpasst. Neuer Plan: mit kleinen Booten rüber, der Bus folgt später. Was dann folgte, lässt sich am besten als organisiertes Chaos beschreiben. In einer kleinen Bar (Mandy’s Bar) wurden wir zunächst von allen Seiten angesprochen. Drinnen herrschte ein Gemisch aus betrunkenen und bekifften Einheimischen, lauten Meinungen und einer Energie, die in alle Richtungen schießen konnte.
Und genau das tat sie auch.
Eine Diskussion darüber, wer uns bedienen durfte, eskalierte schnell. Irgendwann wurde mir mein Sprite, das gerade kam, dramatisch aus der Hand geschlagen, wie in einem billigen Actionfilm. Aus einem Schlag wurden zwei, und plötzlich herrschte großes Durcheinander.
Die Gruppe zog sich schnell in Richtung der Boote zurück, wo das Chaos bereits in vollem Gange war. Kein System, viele Menschen und kleine Boote, die auf Optimismus und ein paar Brettern zu schwimmen schienen. Und dann: Um trocken an Bord zu kommen, wird man auf den Schultern von jemandem getragen. Ich zögerte kurz, aber letztendlich ist es ihre Arbeit, ihr Einkommen, also machte ich mit. Etwas weniger Würde, aber dafür trockene Schuhe.
Auf der anderen Seite stiegen wir in ein Taxi, und plötzlich standen wir vor einem Strandresort, das sich wie eine andere Welt anfühlte. Palmen, weicher Sand, paradiesisch. Nach all dem Chaos bekamen wir hier jeder unser eigenes Zimmer. Bitteschön verdient, wenn du mich fragst.
Gambia: Louis-Vuitton-Tuk-Tuks und ein Modewettbewerb für die Ewigkeit
Eine Woche unterwegs, und schon sind wir wieder in einem anderen Land. Auf der Karte ist Gambia buchstäblich ein schmaler Streifen, der in Senegal eingeklemmt ist – ein Erbe kolonialer Grenzen. Die Briten kontrollierten den Fluss, die Franzosen nahmen den Rest. Das Ergebnis: eine englischsprachige Bevölkerung und sichtbare Erleichterung in der Gruppe.
Nach einem kurzen Sprung in den Pool fahren wir zum Markt von Serrekunda. Transportmittel? Eine Flotte von Tuk-Tuks, deren Innenausstattung immer verrückter wird. Unseres hatte eine komplette Louis-Vuitton-Innenausstattung.
Auf dem Markt: eine Tasse Café Touba, lokaler Kaffee mit guineischem Pfeffer. Scharf, bitter, rauchig, vielleicht ein Hauch von Muskatnuss. Man weiß nicht sofort, was man davon halten soll, aber der Geschmack entfaltet sich.
Danach war es Zeit für die Aufgabe. In Teams und mit einem festen Budget musste die Gruppe aus lokalen Marktartikeln die am besten gekleidete Person zusammenstellen. Jurymitglied: Fahrer Diop. Er strahlt die Energie von „De Mol“ aus, nur eben in Westafrika.
Mark, der einzige Mann in unserem Team, meldete sich sofort freiwillig und schlug vor, sich als Frau zu verkleiden. Die Entscheidung war schnell getroffen! Chaotisches Einkaufen, Verhandeln und kreative Entscheidungen treffen. In einem Textilzelt halfen die Besitzer dabei, das Outfit zusammenzustellen: ein Rock, ein Oberteil, das einst wahrscheinlich eine Tischdecke war, ein glitzerndes Kopftuch, eine gefälschte rote Chanel-Tasche und rote Hugo-Boss-Sandalen.
Was für ein Look.
Der eigentliche Höhepunkt: Sie liefen bereits herausgeputzt durch den Markt zurück, obwohl die Modenschau erst am Abend stattfinden sollte. Männer, die lachten, Frauen, die kreischten, Menschen, die stehen blieben und zuschauten. In einer überwiegend islamischen Umgebung waren die Reaktionen überraschend positiv. Jüngere Jungs schauten vor allem verwirrt. Das schien nachvollziehbar.
Gunjur: das Ende der Bar und eine Nacht unter den Sternen
Nach dem Chaos auf dem Markt war es Zeit für das Gegenteil: Mittagessen, Strand, Bier, Sonnenuntergang. Ruhe, mit Blick auf eine wunderschöne Moschee am Strand.
Das Abendessen wurde von einem lokalen Musiker bereichert, der vor Ort Lieder mit den Namen der Gäste improvisierte. Alle hatten ihren Spaß. Doch der eigentliche Höhepunkt, die Modenschau, stand noch bevor.
Als Mark in voller gambischer Tracht hereinkam, geriet das Personal völlig aus dem Häuschen.
Der Abend steigerte sich weiter. Tanzen, Lachen und „30 Seconds“ am Lagerfeuer spielen. Ein großer Spaß für alle, nur die Belgier hatten etwas weniger Ahnung von niederländischer Popkultur. Irgendwann tauchten Shots auf. Auch wenn „Shot“ vielleicht nicht das richtige Wort für das war, was wir in Longdrinkgläsern serviert bekamen. Wir tranken die Bar buchstäblich leer.
Die Nacht endete am Strand, mit drei Überbleibenden, die unter den Sternen sangen – oder etwas, das dem sehr ähnlich war.
Was für ein Tag.
Abene und Guinea-Bissau: Senegalesische Koch- und Djembe-Kurse und ein Tagesausflug in ein weiteres neues Land
Zurück im Senegal fuhren wir nach Abene, einem gemütlichen Dorf unweit der gambischen Grenze, wo wir Khady besuchten. Diese tolle Frau hat ihr eigenes Gästehaus, in dem wir zu einem senegalesischen Kochkurs für die ganze Gruppe willkommen waren, und zwischendurch bekamen wir auch eine Schnellkurs im Djembe-Spielen. Hat es bei allen gleich gut geklungen? Das vielleicht nicht, aber alle fanden es super toll.
Lange stillsitzen war auch diesmal nicht drin, denn wir machten wieder einen Tagesausflug über die Grenze in ein neues Land. Guinea-Bissau, klein, wenig besucht, aber dennoch lohnenswert. Auf dem Programm: eine kulturelle Aktivität. Was das genau bedeutete? Eine Live-Tanz- und Musikperformance für die Gruppe, bei der auch die Hälfte des Dorfes kam, um das Spektakel mitzuerleben. Trommler, Tänzer, Farben, abwechslungsreiche Outfits und ein Rhythmus, den man spürt, bevor man ihn hört.
Casamance: Bäume, Wellen und eine Nacht, die niemand geplant hatte
Nach all unseren Abenteuern drangen wir wieder tiefer in die senegalesische
Casamance vor. Dies ist der grüne, ruhigere Teil Senegals, der von vielen vergessen und von wenigen besucht wird. Genau der Grund, dorthin zu fahren.
Den ersten Abend verbrachten wir auf der Île d'Egueye, einer kleinen Insel, auf der man das Gefühl hat, die Welt drehe sich dort ein bisschen langsamer. Kein geschäftiger Markt, nur Wasser, Palmen und gute Gesellschaft. Die Art von Abend, die man nicht plant, aber in Erinnerung behält.
Am nächsten Tag: ein Aufstieg zu einer Plattform hoch in den Bäumen in der Nähe der Insel. Der Ausblick war ein Meer aus Grün, mit dem Delta darunter und Stille darüber. Einfach stehen bleiben und die Aussicht genießen, hoch oben im Baum.
Danach verbrachten wir zwei Nächte in Cap Skirring, einem ruhigen Badeort an der Atlantikküste mit endlosen Stränden. Tagsüber: Strand, Meer, zur Ruhe kommen. Abends: mit der ganzen Gruppe unterwegs. Nach wochenlangem gemeinsamen Reisen wusste mittlerweile jeder, was der andere mag, wer als Erster tanzt und wer als Letzter ins Bett geht. Cap Skirring bot uns den Raum, richtig zu feiern: gutes Essen, lokale Bars und die Energie einer Gruppe, die weiß, dass das Ende der Reise in Sicht ist.
Dakar: Geschichte der Sklaverei, Märkte und Erkundungstouren zu Fuß
Die letzten beiden Tage fuhren wir mit einer Nachtfähre in die
Hauptstadt Dakar. Die Fähre legte am Nachmittag in Ziguinchor ab, und während der ersten drei Stunden hatten wir Gesellschaft von Delfinen, die rund um das Boot auf und ab sprangen. Danach fuhren wir ein Stück weit auf den Atlantik hinaus, und es war Zeit, schlafen zu gehen, um früh am Morgen in Dakar aufzuwachen.
Am ersten Tag ging es direkt zur Île de Gorée, der kleinen Insel vor der Küste, die jahrelang als Umschlagplatz im transatlantischen Sklavenhandel diente. Ein Ort, der heute sehr gemütlich ist, aber eine äußerst dunkle Vergangenheit hat. Das Maison des Esclaves, die bunten, aber stillen Gassen, das Bewusstsein dafür, was hier geschehen ist – es ist ein ganz anderes Gefühl, wenn man es mit eigenen Augen sieht.
Tag zwei war etwas unbeschwerter. Wir erkundeten die bunten, lauten Märkte in Dakar während einer Stadtrundfahrt, die wir zu Fuß unternahmen. Dies erwies sich schnell als die beste Art, Dakar zu verstehen: chaotisch und pulsierend, aber mit einem eigenen
Rhythmus, dem man nach einer Weile zu folgen beginnt. Zum Abschluss besuchten wir das Renaissance-Museum, wo wir einen Einblick in die Kunst und Kultur des Landes erhielten, das in den vergangenen zwei Wochen so großen Eindruck auf uns gemacht hat.
Danach machten wir uns auf den Weg zum Flughafen, und eine fantastische zweiwöchige Reise ging zu Ende.